Schmiede des alten Simon vor einem Abriß bewahrt

Bezirksregierung rettete Hunsrück-Haus aus der TV-Serie „Heimat“

KOBLENZ/SIMMERN. Die Koblenzer Bezirksregierung hat die 100 Jahre alte noch voll eingerichtete Schmiede des alten „Simon“ aus der Hunsrück-Fernsehserie „Heimat“ nach langem Tauziehen vor dem Abriß bewahrt.
Wie der Referent für Dorferneuerung bei der Koblenzer Bezirksregierung, Diplom-Ingenieur Hubert Müllen, jetzt bestätigte, wollte der Eigentümer nicht nur die historische Schmiede in der Gemeinde Gehlweiler bei Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis), sondern auch noch das dazugehörige Wohnhaus dem Erdboden gleichmachen. Die Bemühungen im Kampf um die Erhaltung der alten Gebäude gingen bis vor die Schranken des Koblenzer Verwaltungsgerichts. Schneller als erhofft aber kam jetzt die Wende, berichtete Müllen.
Der Filmemacher Edgar Reitz hatte die alte Schmiede zum Mittelpunkt seiner erfolgreichen elfteiligen Fernsehserie gemacht. Nach Abschluß seiner Dreharbeiten im vergangenen Jahr sollte auch Schluß mit dem Simon’schen Anwesen sein, das bis dahin keinen Hunsrücker interessiert, jetzt aber große Popularität erhalten hatte. Der Eigentümer, ein Kaufmann und gebürtiger Gehlweiler, plante auf dem „Schmiedegrundstück“ den Bau eines modernen Bungalows mitten im Dorf.
Als die Kreisverwaltung in Simmern davon erfuhr, stellte sie sofort die alte Schmiede samt dem Wohngebäude unter Schutz.

Dagegen legte der Eigentümer Widerspruch ein. Der zuständige Kreisrechtsausschuß gab jetzt dem baufreudigen Hunsrücker Recht und argumentierte, die betroffenen Gebäude seien keineswegs erhaltenswert Jetzt schaltete sich die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde ein und legte gegen die Entscheidung des Kreisrechtsausschusses Klage beim Koblenzer Verwaltungsgericht ein.
Vor wenigen Tagen wurde die Auseinandersetzung dann gütlich beendet. Der Eigentümer verkaufte seine lästige antiquarische Kostbarkeit an einen in Hessen lebenden Hunsrücker. Nach Gesprächen mit Vertretern der Bezirksregierung erklärte dieser sich bereit, sein neues umstrittenes Anwesen zu erhalten. Damit will die Bezirksregierung ihre Verwaltungsklage wieder zurückziehen. Mehr noch: Sie machte neben elf anderen Hunsrück-Dörfern auch Gehlweiler zur sogenannten Dorferneuerungsgemeinde. Für diese Gemeinde kann deshalb die Behörde für die Restaurierung „ortsbildprägender Gebäude“ pro Objekt 30 Prozent der Kosten als staatliche Zuschüsse bewilligen. Der Betrag ist aus Mitteln der Denkmalpflege noch aufstockbar. Davon will und darf nun auch der neue Eigentümer der Schmiede und des Wohnhauses des „alten Simon“ Gebrauch machen.


Der Gebäudekomplex bleibt erhalten. Die Schmiede des alten Simon muß nicht einem modernen Bungalow weichen. Foto:Dupuis

Artikel in der Rheinzeitung vom 10.11.84
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